Meine Libanon- und Syrienreise vom 1.12.2018 – 7.12.2018

Ich bin in den letzten Jahren 11 Mal im Libanon gewesen. In diesen Jahren wurden Medical Center in Tripoli und in der Bekaa Ebene finanziell unterstützt. Dort arbeiten viele syrische Ärzte für überwiegend syrische Flüchtlinge. Diese Medical Center setzen sich aus verschiedenen ärztlichen Abteilungen zusammen: Augenarzt, Inneres, Chirurgie, Haut, Zahnarzt, usw. Ambulante Operationen werden auch durchgeführt. Für kurze Zeit gibt es auch ein Bett. Die Maschinen waren oftmals veraltet oder fehlten. Über die Aktivitäten in den Medical Center werden einsehbare Berichte geschrieben. So kann eine gewisse Kontrolle durch punktuelle Befragung von Patienten erfolgen. Das war mir in diesen Jahren wichtig: Konkrete Hilfe, Kontrolle, Ermutigung durch Gespräche.
Auch besuchte ich im Libanon viele Flüchtlingscamps einfachster Bauweise und auch Häuser und Wohnungen. So lernte ich Hilfsorganisationen kennen, wie auch SAMS. Von vielen syrischen Ärzten und Flüchtlingen besteht das Bedürfnis zur Rückkehr. Im Augenblick ist das noch nicht möglich. Auch weil für unter 25-jährige Männer der Militärdienst Pflicht ist. Doch die Heimat zieht. Gerne würden manche beim Wiederaufbau dabei sein, gerne auch eingebunden in ein Projekt. Auch gibt es solche rückkehrwilligen Flüchtlinge in Deutschland – wie auch Flüchtlinge, die zeitweise beim Wiederaufbau helfen würden, dann aber auch wieder in Deutschland leben möchten. Auch gibt es Deutsche, die für eine gewisse Zeit beim Aufbau und Start eines Projektes im Rahmen des Wiederaufbaus helfen würden. Das sind Jugendliche und Erwachsene, vom Sanitäter bis Heizungsbauer.
Vorrausetzungen wären: Ein klar strukturiertes Projekt mit sauberer Konzeption, mehrschichtig ausgelegt, allgemein als notwendig anerkannt – eingebettet in Sicherheit Zusagen für das Projekt und für die, die sich dafür engagieren. Gut wäre es in Kooperation mit einer Hilfsorganisation vor Ort und offen für alle Religionen.
Meines Erachtens könnte der Libanon durchaus als Basis für diesen Wiederaufbau einbezogen werden. Im Libanon gibt es gute Erfahrungen beim Wiederaufbau. Hilfsorganisationen gibt es in Vielzahl. Interessant wäre sicher auch ein Schulungszentrum für Syrer im Libanon mit dem Ziel: Ausbildung für den Wiederaufbau und Starthilfe zu einem neuen Start in Syrien. Das beinhaltet auch das Erlernen von Wissen für eine gelingende Infrastruktur in Ortschaften und Städten. Bildung ist in diesem Zusammenhang sicher zu nennen. Es gäbe im Libanon auch in der Politik Menschen, die das befördern würden.
Für mich ist aber mehr Syrien im Fokus. Um dieses Syrien etwas kennenzulernen, um etwas Gefühl zur augenblicklichen Situation zu bekommen, war ich nun in Homs und Damaskus. Durch meine Arbeit mit insbesondere auch syrischen Flüchtlingen in Deutschland und im Libanon ist eine innerliche Nähe zu Syrien, auch zur Kultur gewachsen. Die Interreligiosität, die ich aus Deutschland her kenne und auch im Libanon deutlich erleben durfte, ist auch ein Bestandteil der Syrischen Lebenswelt.
Der Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche in Homs holte mich mit seinem einfachen Wagen in Beirut ab. Er kam aus Brüssel und war so auf dem Heimweg. Die Grenzkontrollen verliefen ohne Probleme. Die Ausreise aus dem Libanon und die Einreise mit Visum nach Syrien dauerte nur eine gute Stunde. Förderlich war da sicher die Anwesenheit einer kirchlichen offiziellen Persönlichkeit. In Homs besichtigte ich dann verschiedene Stadtviertel, hörte von vielen Problemen und nahm Keime neuen Lebens wahr. Auch die bewundernswerte Arbeit der vergangenen Kriegsjahre war präsent. Die Kirchen haben sich stark für Menschen in Not engagiert, unterstützt auch von Hilfsorganisationen aus Deutschland. Regelmäßige Zusammenkünfte gehen zu dieser Arbeit dazu. Auch mit staatlichen Stellen. Dies habe ich bei einem Treffen auch erlebt, an dem politische Prominenz der Stadt Homs, aber auch der Mufti und der Erzbischof teilnahmen.
Bei meinen Gesprächen mit verschiedenen Menschen vor Ort vom Banker über IT`ler bis Pfarrer, Ältere und Jüngere, konnte ich immer wieder Mut wahrnehmen. Ich habe keine Hassparolen gegen irgendeine Gruppe gehört, weder politscher noch religiöser Zugehörigkeit. Überall waren Bilder vom Präsidenten Bashar Al-Assad zu sehen. Seine Frau, Asma Al-Assad, 1975 in London geboren, ist öfters in Einrichtungen für Waisenkinder unterwegs.
Es gibt zerstörte Stadtteile, unbewohnbar. Sowohl in Homs als auch in Damaskus. Aber auch Teile, die unbeschadet sind. Hier ist eigentlich Normalität eingekehrt. Der Stromausfall für Stunden oder auch länger gehört zum Alltag.
Es gibt zerstörte Kirchen, aber auch zerstörte Moscheen. Warum dies Stadtteil zerstört wurde und das andere nicht (teilweise Straße an Straße), ist sicher schwer zu sagen. Es wird mit den verschiedenen Rebellengruppen zusammenhängen, wer wo vermutet worden ist. Eine Ausrottung der Christen sehe ich weniger. Das Engagement wird geschätzt. Ich vermute eher, dass politische Einstellungen zu dieser Konfrontation geführt haben. Sicher spielt auch der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten und deren jeweiligen Hintermänner eine Rolle. Überall stehen Soldaten. Die militärische Präsens ist überall enorm.
Der Erzbischof nimmt einen Rückgang der Hilfe für Syrien wahr. Ihm wäre mehr Engagement ein großes Anliegen. Auch der Pfarrer in Homs bestätigte mir das so. Anscheinend gibt es nur eine Ordensgemeinschaft in Homs, die Jesuiten sind mit drei Mitbrüdern vertreten. Erwünscht wären Ordensleute, gerade auch für Jugendarbeit und dem entsprechende Pastoral.
Auf jeden Fall wäre viel Aufbauarbeit zu leisten: Gebäude, Infrastruktur und Krankenhäuser. Es gibt allein in Homs 4.000 Waisenkinder, sehr viele Kriegsinvaliden und auch Kinder, denen Gliedmaßen fehlen. Die Krankenhaussituation ist katastrophal, es fehlen diese Einrichtungen, sind geschlossen oder wegen Mangel an Fachkräften nicht in Betrieb. In den kleineren ambulanten Erste Hilfe Zentren sind die Geräte veraltet, es fehlen Medikamente. Die Straße zwischen Damaskus und Homs ist sehr gut, fast wie Autobahn ausgebaut. Transportwege für Hilfsgüter sind genügend vorhanden und kann weltweit gut organisiert werden.
Folgendes wäre denkbar:
1. Ein Zentrum mit Krankenhaus, Rehabilitation (auch Prothesen und so), Apotheke und mehr.
2. Ein Zentrum wie unter 1, aber auch mit Schule, Kindergarten, Waisenhaus.
3. Ein Engagement, um das größte Krankenhaus für „normale“ Einwohner von Homs wieder in Gang zu bringen.
4. Übernahme kleiner ambulanten Erste Hilfe Zentren, Ausstattung dieser Zentren.
5. Waisenhäuser und Kindergärten.
6. Schulen mit verschiedenen Aspekten zur Bildung, auch zur Erlernung der deutschen Sprache, um dann hier in Deutschland mal zu arbeiten.
7. Interessant fände ich so ein Schulungszentrum, um sprachliche und auch interreligiöse Kompetenz zu erwerben. Vielleicht als eine Art Internat, um diese Menschen auch kennen zu lernen und mit ihnen Zukunftsperspektiven, auch für Deutschland, zu erarbeiten.
8. „Rebuildingsprogramme“, um so Stück für Stück, Haus für Haus mit den ehemaligen und zukünftigen Bewohnern wieder aufzubauen.
All das wäre auch eine Vorbereitung auf die Situation, dass Rückkehrwillige Syrer dort mitarbeiten könnten. Zeitweise, oder auch fest für einen längeren Zeitraum.
Vielleicht wäre alles denkbar im Rahmen von Rückkehrprogrammen und/oder Wiederaufbauprogrammen.
Auch gibt es durchaus Deutsche, die sich in einem solchen Projekt mit ihrer Fachkompetenz engagieren würden. Auch junge Menschen im Rahmen vom Freiwilligen Sozialem Jahr oder ähnlichen Programmen.
Wichtig wäre:
Unterstützung von zumindest einer Hilfsorganisation vor Ort, Kooperationen mit Entscheidungsträgern vor Ort, eingebettet in eine gewachsene Struktur vor Ort. Eine interreligiöse Ausrichtung wäre sehr gut. Der Mensch würde im Mittelpunkt stehen – ohne eine Vereinnahmung für religiöse, politische oder gesellschaftliche Zwecke.
Die Offenheit ist meines Erachtens vor Ort da. Ein Mitziehen verschiedener Interessengruppen wäre denkbar.
Voraussetzung wäre sicher eine belastbare Sicherheitszusage für das Projekt und für all die, die daran mitarbeiten. Die Regierung in Syrien müsste sich da klar positionieren. Vielleicht wären die Chancen da nicht so schlecht.
Solches Engagement könnte auch als Förderung im Rahmen des Friedensprozesses in Syrien gesehen werden.
Ich bin auf jeden Fall gut motiviert, diesen Weg weiterzugehen. Ich danke allen Spendern und Spenderinnen, die bisher vieles unterstützt haben. So konnte konkreten Menschen, insbesondere den Flüchtlingen in der Bekaa Ebene und in Tripoli, geholfen werden. Und ich bin überzeugt, dass wir für etwas Neues in Syrien Menschen zur Mithilfe, hier und vor Ort, finden werden. Ebenso auch Spender und Spenderinnen wie auch Menschen, die uns im Gebet mittragen werden.
Einige Infos über Homs/Syrien:
Einwohner: 775.400 (2017)
Fläche: 48 km²
(syrisch-arabisch حمص , DMG Ḥimṣ [ħɔmsˁ]; in der Antike Emesa oder Emisa, türkisch Humus) ist eine bedeutende Stadt in Syrien und Hauptstadt des Gouvernements Homs. Sie liegt im Westen Syriens im fruchtbaren Tal des Nahr al-Asi (in der Antike Orontes) und ist mit ungefähr einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes; lediglich Damaskus und Aleppo sind bevölkerungsreicher. (Wikipedia)
Circa 10 % der Syrer sind Christen.[5] Diese leben im Raum Damaskus, Homs, Aleppo und traditionell in ihren Dörfern. Die Syrisch-Orthodoxe Kirche (Jakobiten) bildet mit 60 % den größten Teil der in Syrien lebenden Christen,[4] gefolgt von der Griechisch-Orthodoxen Kirche und der Melkitisch-Katholischen Kirche.[10] Der Rest verteilt sich auf die Assyrische Kirche des Ostens (Nestorianer), die Armenisch-Apostolische Kirche und die mit Rom unierte Syrisch-katholische Kirche.[11] Daneben gibt es noch sehr kleine verschiedene chaldäische, katholische und protestantische Minderheitengemeinden. (Wikipedia)

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